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Wenn der Taxifahrer Bescheid weiß…

Durchblick im LED-Dschungel

Berlin hat viele Gesichter und viele Clubs. Da gilt es als Ritterschlag, wenn der Taxifahrer den Fahrgästen die besten Clubs empfehlen kann. Das „Prince Charles“ in Kreuzberg zählt dazu. Ji-Hun Kim hat für disco-magazin mit Michel Niknafs einen der fünf Betreiber zu Hintergründen, Aussichten und Ängsten befragt.

disco-magazin: Der Club „Prince Charles“ in Berlin-Kreuzberg exis- tiert seit mittlerweile fünf Jahren. Wer steckt alles dahinter?
Michel Niknafs: Wir sind fünf Partner. Neben mir sind Nicolas Mönch, Andreas Zappe, Quirin Schwanck und Florian Popp beteiligt.

disco-magazin: Was war vorher in dem Club?
Michel Niknafs: 2011 haben wir den Zuschlag bekommen, im Auf- bauhaus in einem stillgelegten Schwimmbad einen Club zu machen. Es handelt sich um das ehemalige Mitarbeiterschwimmbecken der Bechstein Klaviermanufaktur. Hier wurden die bekannten Pianos pro- duziert. Nach der Arbeit ist man in den 70ern dort wohl mit dem Chef ein paar Bahnen in dem kleinen Becken schwimmen gegangen oder gemeinsam in die Sauna. Das Schwimmbecken ist weiterhin denk- malgeschützt. Deshalb ist es in der Form noch im Club vorhanden. Wir haben es zu einer 360-Grad-Bar umgebaut. Die Bar ist auch der Dreh- und Angelpunkt des Clubs. Neben der Bar haben wir einen Dancefoor, der frühere Saunabereich. Mit den Holzelementen am DJ-Pult und am Dancefoor haben wir versucht, das Sauna-Thema aufzugreifen. Die Optik haben wir quasi so vorgefunden. Unser Konzept ist daher fast wie damals: Am Pool gibt es das erfrischende Nass, und auf dem Dancefoor wird geschwitzt.

disco-magazin: Lange Zeit war es in Berlin so, dass man einen erfolgreichen Club eigentlich nur mit Techno und House bespielen konnte. Bei euch ist das anders. Ihr verfolgt einen eklektischen Ansatz. Wie ist es dazu gekommen?
Michel Niknafs: Als ich dazugestoßen bin, war zunächst meine Vision, dass ich keine hatte. Ich bin Musikliebhaber, war schon immer gerne Gastgeber, und ich liebe Menschen. Ein Club ist ja nicht nur der Raum, sondern es sind auch die Leute, die im Raum sind. Ich habe früh mit Crews und Promotern gesprochen und für den Club kuratiert. Vor fünf Jahren gab es wirklich fast überall nur den „Uffta“-Sound. Der Sound aus dem „Berghain“, „Kater Holzig“ – alles andere war verpönt. Ich wollte jedoch nie in einem Club arbeiten, an dem jeden Tag dasselbe passiert. Ich bin ja selber jeden Tag da. Das würde mich langweilen.

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