Gastro

Veltins meldet Wachstum – der Durst ist zurück

Die Talsohle der Lockdown-Jahre 2020/21 ist durchschritten. Die Brauerei C. & A. Veltins verspürt einen starken Rückenwind und meldete bei der Halbjahrespressekonferenz im Sauerland ein Ausstoßplus von 10,1 Prozent auf 1.705.320 Hektoliter. Veltins-Generalbevollmächtigter Michael Huber sieht die Rückkehr zu gewohntem Verhalten: „Ungeachtet des schwierigen Beschaffungsmarkts haben wir ein Allzeithoch erreicht. Noch nie wurde in der Brauereigeschichte innerhalb eines halben Jahres so viel Bier gebraut.“ Brauereirekorde wurden im März und Mai geschrieben. Die Marken Veltins und Pülleken legten sogar zweistellig zu. Der deutsche Biermarkt insgesamt pendelt sich dagegen bei plus 3,8 Prozent ein, hat aber die Absätze des Vor-Coronajahrs 2019 um 5,5% verpasst. Das große Plus beruht dabei vor allem auf dem Re-Start der Gastronomie. Dort war der Absatz im Lockdown völlig eingebrochen. Bei der Marke Veltins wuchs der Fassbierabsatz um knapp 230,1% auf 180.400 hl, die Flasche immerhin noch um 0,1% auf 939.660 hl und die Dose um 8,0% auf 93.890 hl. Der Fassbieranteil bei Veltins liegt bei 17%. Der LEH entwickelt sich derzeit mit minus fünf Prozent eher rückläufig. Shootingstar war erneut Helles Pülleken mit +24,9% auf 124.070 hl. Auch die V+-Range wuchs um 3,3% auf 173.840 hl – Motor dürfte dabei die kürzliche Erhöhung des Alkoholgehalts gewesen sein. Grevensteiner dagegen büßte 15,2% ein. Verlierer im ersten Halbjahr waren allgemein Spezialitätenbiere. Unbändige Freude herrscht sowieso nicht. „Was uns quält, ist der Blick nach vorn“, gibt Huber zu verstehen, zeigt sich aber dennoch optimistisch. Bei einem Gas-Embargo könne sich die Situation in der Industrie zuspitzen. „Kein Gas, kein Bier“, so Huber. Aber auch kein Gas kein Glas und keine Flaschen. Veltins habe aber bereits vorgesorgt und Teile des Sudhauses auf Öl umgestellt. Dazu wurden immense Mengen an Öl eingekauft, um notfalls binnen einer Stunde die Produktion umstellen zu können. Öl hat aber einen schlechteren Verbrennungsfaktor. Auch Flaschen, Kisten, Paletten, Etiketten und Leim wurden vorsorglich in großen Mengen gelagert. Eine Gefahr bestehe dennoch darin, dass die Lieferanten Engpässe erleiden könnten. „Langfristig will Veltins weg von Gas und Öl zu hoher Eigenversorgung durch alternative Energien“, kündigte Huber an. Darüber hinaus sieht er eine gefährliche Verbotskultur in der Politik, wie das drohende Verbot von Sportsponsorings, was für viele kleine Sportvereine das Aus bedeuten würde. Dem großen Masterplan, die Brauerei zukunftssicher umzubauen, bleibtVeltins treu. Bis zum Jubiläumsjahr 2024, wenn Veltins das 200-jährige Bestehen feiert, wird ein neues Abfüllzentrum für Flaschenbier für 100 Mio. Euro fertiggestellt sein.