Finden statt suchen: Programme zur Musikverwaltung

Der nächste Gig steht an, aber der Song, der letztes Wochenende so gut funktioniert hat: unauffindbar.
Eine gut organisierte Musiksammlung ist unerlässlich für professionelle DJs. Aber die Pflege ist aufwendig – zum Glück gibt es einige Tools, die dabei helfen.

Die eigene Musiksammlung ist der akustische Fingerabdruck eines DJs, unverkennbar und einzigartig. Aber ob Gelegenheits-Plattenleger oder professionell tourender Profi-DJ: Mit der Zeit wird jede Sammlung komplexer und unübersichtlicher.

Duplikate, falsch einsortierte Songs oder Tracks mit schlechter Qualität nisten sich ein. Sie bevölkern unzählige Ordner auf mehreren Festplatten, häufig mit wenig aussagekräftigen Namen wie „1“, „Neu“ oder „Einsortieren“ benannt.

Während manche DJs das Chaos lange überblicken können, lohnt es sich, den Zeitpunkt nicht zu lange hinauszuzögern, um sich professionelle Hilfe zu holen. Zahlreiche kleinere Tools und umfangreiche Programme können dienlich sein, wenn die Musikbibliothek aufgeräumt werden muss.

Warum DJ-Softwares nicht ausreichen

Der erste Schritt zu einer aufgeräumten Musiksammlung kann in der Umgebung stattfinden, in der man als DJ sowieso arbeitet: in der Software zum Auflegen. Egal ob Traktor, Serato DJ, VirtualDJ oder Rekordbox, alle populären DJ-Apps bieten mittlerweile zahlreiche Funktionen, um das Verwalten einer großen Musiksammlung zu erleichtern. Smart-Crates, intelligente Playlists und automatische Vorschläge sind inzwischen häufig Standard.

Rekordbox etwa erlaubt das Vergeben zusätzlicher Tags für Songs – also kleine Hinweise darauf, um welches Genre es sich handelt, wie der Song aufgebaut ist und wann er zeitlich am Abend am besten passt. Auch eigene Kategorien können erstellt werden.

All das ist nützlich, bei einer Sammlung mit mehreren tausend Musikstücken aber sehr zeitaufwendig, teilweise sogar schlicht unmöglich. Schließlich können sich in der Musikbibliothek eines DJs Songs aus den unterschiedlichsten Quellen befinden: gekaufte Titel, über sogenannte Promopools heruntergeladene Tracks oder selbstgemachte Remixe und Edits. Oftmals sind wichtige Informationen für eine gut strukturierte Musiksammlung unvollständig oder sogar falsch.

One Tagger: Musik automatisch kategorisieren

In so einer Situation kann ein Tool wie One Tagger helfen. Die kostenlose Software ruft automatisch Metadaten über Künstler und Titel ab, überprüft Dateinamen und Playlists, um fehlende Informationen zu ergänzen. Dafür sucht One Tagger beispielsweise bei Beatport, Traxsource, Juno Download, Discogs, MusicBrainz, Beat- source, Spotify oder iTunes nach relevanten Daten. Es kann auch Titel mithilfe von Shazam identifizieren, was bei unvollständigen Dateinamen und fehlenden Metainformationen die einzige Möglichkeit sein kann, herauszufinden, was man gerade hört. One Tagger kann den einzelnen Stücken dann Tags geben, damit man auf einen Blick relevante Informationen hat. Zudem können DJs damit die Audio-Features von Spotify nutzen. Dabei handelt es sich um von Spotify analysierte Parameter, die Eigenschaften eines Songs quantifizieren. Konkret wird beispielsweise in Zahlen gemessen, wie hoch das Energielevel eines Songs ist, wie tanzbar er ist oder ob Vocals vorkommen. Die Analyse kann an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Die damit erstellten Tags können in DJ-Softwares angezeigt werden, sodass dort direkt ersichtlich ist, was tatsächlich zueinander passt. One Tagger ermöglicht so auch das automatische Taggen und Kategorisieren großer Musiksammlungen. Auf Wunsch ändert One Tagger auch die Dateinamen auf dem Computer. Zudem können mit Quick Tags schnell Songs selbst kategorisiert werden, was das Hinzufügen neuer Stücke einfach macht. Die Tags sind jedoch nicht immer akkurat. Gerade bei unbekannten Underground-Stücken kann die Software manchmal nicht die richtigen Songs erkennen und die gesammelten Informationen aus dem Internet nicht korrekt zuordnen. Dafür kostet die App nichts und funktioniert mit verschiedenen Betriebssystemen und DJ-Softwares. Ein Test birgt daher kein Risiko. („onetagger.github.io“)
Informationen zu Genres, sogenannte Tags, können mühselig selbst erstellt werden – oder automatisch mit One Tagger.

Mixed in Key: Das passende Stück

Mixed in Key ist ein nützliches Tool, um die Tonarten von Songs zu analysieren. Es richtet sich dabei auch an DJs ohne Vorkenntnisse in Tonarten, denn mit der „Camelot“- Skala bekommen diese eine Nummer zugeordnet. Die zeigt an, welche Tonart der Song hat, damit das harmonische Mixen zweier Titel einfacher ist. Diese Funktion ist in den vergangenen Jahren so beliebt geworden, dass mittlerweile alle namhaften DJ-Softwares zum Auflegen dieses Feature haben. Mixed in Key ist aber laut eigener Aussagen genauer.

Die Tonartinformationen können direkt in die Metadaten der Musikdateien geschrieben werden. Neben der Tonartanalyse bietet Mixed in Key auch eine BPM-Erkennung, Energieeinstufung und eine Funktion zur Bearbeitung von Cue Points. Diese automatischen Hotcue-Vorschläge sind besonders nützlich für DJs, da sie an Stellen in einem Track gesetzt werden, an denen sich Übergänge anbieten. Auch die Möglichkeit, Tracks nach Energielevel zu sortieren, erleichtert die Set-Gestaltung. Mixed in Key unterstützt die gängigen DJ-Softwares wie Rekordbox, Serato oder Traktor. Die analysierten Dateien können also importiert werden, wenn auch nicht automatisch.

Mixed in Key kostet 58 Euro beziehungsweise 99 Euro in der Pro-Version. Letztere gibt Zugang zu einigen weiteren Funktionen, für die Analyse und das automatische Setzen von Cue-Punkten genügt die Standard-Version. („mixedinkey.com“)

Mit Mixed in Key werden Tonarten von Songs genauer erkannt, was harmonisches Mixen erleichtert.

MusicBee: Alles an einem Ort

Während One Tagger und Mixed in Key mehr Hilfen für die Sortierung einer Musikdatenbank sind, ist MusicBee eine Komplettlösung. Im Kern ist das kostenlose Programm ein Musikplayer, in dem man seine Musik verwalten und in Playlists organisieren kann. Unter „Now Playing“ finden sich Informationen zum Künstler des aktuell gespielten Tracks, mit einem Rechtsklick auf den Musiktitel kommt man über das Menü schnell zu Wikipedia oder YouTube, um mehr zu entdecken. Das macht die Suche nach neuer Musik, weiteren Releases des Künstlers oder des Labels einfach. Mit wenigen Klicks findet man auch alle Tracks eines Komponisten in der eigenen Musiksammlung, alles auf einen Blick. Das ist der große Vorteil von MusicBee: Es lässt sich gut stöbern.

Die Anwendung unterstützt zahlreiche Audioformate und bietet vielfältige Funktionen zur Organisation, Wiedergabe und Pflege der eigenen Bibliothek. Mit automatischer Tag-Erkennung, flexiblen Filter- und Sortiermöglichkeiten sowie intelligenten Wiedergabelisten behalten DJs auch bei mehreren tausend Titeln den Überblick über ihre Sammlung.

MusicBee bietet sogar eine Auto-DJ-Funktion an, bei der thematisch passende Titel aus der Musikbibliothek zum aktuell laufenden vorgeschlagen werden. Das ist jedoch kein magischer Zauberstab, mit dem sich im Nu neue Playlisten aus dem Hut ziehen lassen. Dazu ist die Funktion häufig zu ungenau. Aber bei großen Sammlung ein durchaus interessanter Modus, um sehr frei seine Musik zu hören.

Das Programm ist grundsätzlich ein sehr mächtiger Musikplayer, der sich generell an Musikhörende richtet, nicht speziell an DJs. Daher können auch Podcast und Audiobooks in MusicBee verwaltet werden. Es ist aber auch für DJs ein nützliches Tool, wenn man seine gesamte Musik an einem Ort verwalten will. Erstellte Playlisten können als XML-Export auch für DJ-Softwares verwendet werden. Das Programm zeichnet sich zudem durch eine aktive Community aus, die PlugIns bereitstellt. („getmusicbee.com“)

Alle Songs mit Cover auf einen Blick: Mit MusicBee macht das Durchstöbern der eigenen Sammlung Spaß.

Lexicon: des DJs bester Helfer

Auf den ersten Blick wirkt Lexicon mehr wie eine DJ-Software als nur eine Hilfe zur Verwaltung der Musikbibliothek. Eine große Waveform oben, runde Play- und Cue-Buttons, die denen eines CDJs ähneln, erwecken durchaus einen passenden Eindruck. Lexicon kann im Endeffekt das, was One Tagger, Mixed in Key und MusicBee zu dritt können.

Lexicon erkennt Tonhöhen, BPM, erstellt ein Grid für die Songs, kann Cue-Punkte setzen, gibt passende Songvorschläge vor und arbeitet mit Softwares zum Auflegen zusammen. Es erlaubt Custom Tags, ergänzt fehlende Tags sowie Cover-Bilder. Wer noch mehr Informationen auf einen Blick haben möchte, kann seinen Songs Werte für „Energy“, „Danceability“ und „Happiness“ geben. All das macht die Software ideal, um Play-
listen für Auftritte vorzubereiten.

Auch das Aufräumen der eigentlichen Dateien geht mit Lexicon einfach: von der Bereinigung und Standardisierung von Dateinamen über das Finden fehlender Informationen bis hin zur Entfernung von Duplikaten lässt die Software kaum Wünsche offen.
DJs können auch Playlisten aus beispielsweise Spotify importieren und mit ihrer Musikbibliothek abgleichen. Nicht vorhandene Titel können mit wenigen Klicks etwa bei Beatport gekauft werden. Sogar Charts von Billboard, iTunes oder Beatport lassen sich in Lexicon anschauen und direkt anhören. Ebenso lassen sich smarte Playlists anhand vorgegebener Parameter erstellen, sodass man zum Beispiel Songs mit ähnlicher BPM und Genre in einer Liste hat.

Lexicon läuft auf MacOS und Windows, spielt mit Serato DJ, Traktor, VirtualDJ, Rekordbox und Engine DJ zusammen. Es erlaubt auch den einfachen Austausch von diesen Softwares untereinander. Wer also wechselt oder mit verschiedenen Programmen auflegt, kann hier zentral seine Musik verwalten und in jedes Programm importieren. In der Pro-Version können alle Informationen in einer Cloud als Back-up gespeichert werden. Ebenso ermöglicht die Cloud das Synchronisieren mit anderen Geräten, wie dem Smartphone oder anderen Computern.

All diese – und noch weitere – Features machen Lexicon zu einem sehr vielseitig einsetzbaren Hilfsmittel für DJs. Das hat aber auch seinen Preis: Die Software kostet in der Basis-Version 15 Euro im Monat, in der Pro-Version sogar 35 Euro. Damit richtet sich die App durchaus an professionelle DJs, für die die Verwaltung einer großen Musiksammlung unerlässlich ist und weniger an Gelegenheitsnutzer. („lexicondj.com“)

Von der Organisation der Musiksammlung bis hin zu Vorschlägen für neue Songs: Lexicon erinnert nicht nur optisch an DJ-Softwares, sondern umfasst auch alle Features, die man sich als DJ nur wünschen kann.

Text: Philipp Steffens

MEHR AUS DER RUBRIK

402