Auf eigenen Beinen: „Tokonoma“, Frankfurt/Main

Es tut sich was in der Clubszene in Frankfurt am Main. Das „Tokonoma“ hat sich vom Gesamtkonzept K39 in der Nähe des Hauptbahnhofs getrennt und ist in die Gutleutstraße umgezogen. Katrin Börsch hat sich die neue Location angeschaut.

Mit der großen neuen Location südwestlich des Hauptbahnhofs geht das „Tokonoma“ den nächsten Schritt und steht nun auf eigenen Füßen. Im April 2023 eröffnete der Club seine Türen auf der berühmt-berüchtigten Kaiserstraße 39 gegenüber vom Hauptbahnhof. Der Techno-Club befand sich im Keller und war Teil eines Konglomerats, bestehend aus zwei Clubs, einer Gastro-Bar und einem After-Work-Innenhof. Das ganze Ensemble hieß „K39“.

Das Zentrum der Nacht: Das „Drift“ direkt hinter dem Eingang ist der größte Bereich im „Tokonoma“.
Mit der großen neuen Location südwestlich des Hauptbahnhofs geht das „Tokonoma“ den nächsten Schritt und steht nun auf eigenen Füßen. Im April 2023 eröffnete der Club seine Türen auf der berühmt-berüchtigten Kaiserstraße 39 gegenüber vom Hauptbahnhof. Der Techno-Club befand sich im Keller und war Teil eines Konglomerats, bestehend aus zwei Clubs, einer Gastro-Bar und einem After-Work-Innenhof. Das ganze Ensemble hieß „K39“.
Selbst ist der Mann: Mitinhaber Fabian Annich war an der Gestaltung des neuen Clubs sichtbar beteiligt.
Nun hat sich der Club von seinen Mitspielern getrennt, ist ausgezogen und hat im Hinterhof der Gutleutstraße 320 im gleichnamigen Viertel eine neue Heimat gefunden. Zuvor waren in der ehemaligen Werkstatthalle der Deutschen Bahn Fahrkartenautomaten repariert worden, weiß Fabian Annich, einer der Betreiber des „Tokonoma“. Gemeinsam mit Toan Nguyen leitet er das Objekt. Kennengelernt haben sich die beiden auf einem Musikfestival in Barcelona. Während der Corona-Pandemie hatten sie Livestreams im alten „Tokonoma“ organisiert. Daraus war über die Jahre eine Kreativagentur gewachsen – und letztendlich das Clubkonzept zum Tokonoma 2.0. Beide kommen aus dem Corporate- und Start-up-Umfeld und wagen jetzt den Schritt, sich mit dem „Tokonoma“ unabhängig zu machen.
Der Raum 03: Im „Sakuru“ treffen sich die Künstler in einem fast privaten, entschleunigten Umfeld, das dennoch offen für alle bleibt.
Doch warum ist das Tokonoma aus seiner alten Bleibe im Frankfurter Bahnhofsviertel ausgezogen? „Wir waren da quasi in einer Untermiet-Situation im Verband mit zwei anderen Clubs und konnten nicht eigenständig entscheiden, welche Getränke es gibt, wie viel sie kosten, wer an der Tür steht und wie die generelle Raumgestaltung ist. Das war uns irgendwann zu eng“, sagt Annich. Im April 2024 ist das Tokonoma aus der Kaiserstraße ausgezogen, eine erste Begehung des neuen Geländes fand im Juli 2024 statt. „Im April dieses Jahres haben wir dann unterschrieben“, freut sich Annich.
Echte Handarbeit: Vinyl kommt im „Tokonoma“ zum Einsatz.
Nach einigen Open-Air-Partys im Sommer im Außenbereich startete das „Tokonoma“ Ende Oktober leicht verspätet mit einer langen Opening-Party, die von Freitag bis Sonntag lief. Geboten werden die drei Areas „Drift“, „Holo“ und „Sakuru“ auf einer Innenfläche von etwa 1.000 qm. Auf dem Main Floor, der etwa 200 qm umfasst, wird High Energy Techno mit höheren beats per minutes (bpm) gespielt. Optischer Anziehungspunkt im „Drift“ ist die große Kanzel, auf der der DJ thront. Beim Sound hat die SLP Group aus Offenbach – gerade mit dem Einbau einer hammermäßigen KV2-Anlage in der kleinen versteckten Bar „Aui Love“ in Frankfurt im Gespräch – kraftvolle d&b audiotechnik Systeme verbaut. Die Subwoofer sind in den Beton der Kanzel eingelassen. Da werden Erinnerungen an alte Zeiten wach. Hinter den acht Topteilen sind für ein neues Raumgefühl jeweils Antari Nebelmaschinen mit Strobes versteckt installiert, die vertikal nach oben ausstoßen. Die Lichtanlage ist ansonsten eher zurückhaltend. Neben acht Showtec Moving-Beams „Xpression 2000B“ hängen 16 Infiled LED-Panels unter der Decke, angesteuert per MA-Pult und Resolume. Im zweiten Floor, dem „Holo“, geht es etwas grooviger mit House und Minimal zu. Pinspots schaffen passendes Feeling für den klassischen Vintage-Disco-Effekt, die Soundanlage mit Multicell-Hörnern hat Daniel da Cunha von SLP selbstgebaut. Der dritte Floor, das „Sakuru“, basiert auf einem japanischen Trend und ist quasi eine Liste- ning Bar.
Top-Drinks an der Bar: Premium-Marken für die Techno-Gemeinde
„Wir haben eine spezielle Akustikwand mit Dämmmaterial entworfen, die in allen Club- räumen verbaut wird. Dadurch erreichen wir einen sauberen Sound“, sagt Fabian Annich. Die Anlagen sind individuelle Anfertigungen der SLP Group und bringen die Soundqualität auf ein neues Level. Außerdem gibt es auch noch einen Außenbereich, quasi im Hinterhof des Hinterhofs: „Hier haben wir vier Soft-Opening-Veranstaltungen den Sommer über gefeiert. Das Konzept ist gut angekommen“, meint Annich.

Designfarbe Pink: Im Außenbereich steht
ebenfalls viel Fläche zur Verfügung.

Bieten möchte das Team um Annich und Nguyen einen Ort für hochwertige Party- und Clubnächte. Freitags und samstags werde es den regulären Clubbetrieb geben. Unter der Woche seien Kulturprogramme geplant: „Das können Performances, Kunstausstellungen, Stand-Up-Comedy oder Live-Konzerte sein“, sagt Annich. Außerdem solle der Ort für Veranstaltungen buchbar sein. Ein Dreiklang aus Wirtschaft, Kultur und Politik sei ihnen wichtig: „Wir wollen einerseits ein Ort sein, der Raum gibt für Kultur, der aber auch Wirtschaftlichkeit mit Kultur in Verbindung bringt. Wir möchten aber auch ein Ort sein, der politisch gesehen gesellschaftlich Verantwortung übernimmt, und zeitgemäße Werte leben. Wir wollen diese Stadt ein bisschen mit prägen“, erklärt Annich. Finanziert werde das Projekt durch Partner in der Getränkeindustrie und durch einige Privat-Investoren.
Softstart mit Luft und Liebe: Schon im August fanden in der Outdoor-Area die ersten Partys statt, während drinnen umgebaut wurde.
Das „Tokonoma“ liegt nur einen Steinwurf entfernt vom „Tanzhaus West“, einem weiteren Techno-Club. Gut möglich, dass die Gutleutstraße jetzt zur neuen Ausgehmeile der Stadt wird.

Text: Klaus Niester

MEHR AUS DER RUBRIK

No data was found