Die Geschwindigkeit nimmt zu. Wieder zieht es den Biermarkt nach unten. Im letzten Jahr sank der Absatz
um sechs Prozent. Das tut weh. Doch manche Brauer stehen besser da. disco-magazin hat genauer hingesehen.
Es ist der stärkste Absatzrückgang seit Beginn der Zeitreihe 1993. Der Gesamtbierabsatz in Deutschland schrumpfte 2025 um sechs Prozent auf rund 78 Mio. Hektoliter. 82,5% davon waren für den Inlandsverbrauch bestimmt, der Rest ging ins Ausland. Vor allem in Hessen (minus 12,8%), Berlin/Brandenburg (-11,8%) sowie Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein/Hamburg (-10,6%) war der Rückgang besonders hoch. In Thüringen (-1,4%), Sachsen-Anhalt (2,3%) und NRW (-3,9%) zeigte er sich am niedrigsten.
Da heißt es erst einmal hinsetzen und Luft holen. Ein schwerer Schlag fürs Bierland Deutschland. Aber der genauere Blick auf die Zahlen lohnt sich. Alkoholfreies bliebt im Trend, wächst überproportional und erreicht einen Marktanteil von 9,5%. Der Schritt in die Zweistelligkeit wird noch dieses Jahr erwartet. In Europa ist Deutschland inzwischen der größte Markt für Biere ohne Alkohol. Die Produktionsmenge hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Tatsächlich taucht die Kategorie in der Bierstatistik von Destatis ebenso wie Malztrunk gar nicht auf. Das relativiert das erschütternde Gesamtergebnis ein wenig.
Besorgniserregende Situation
Pils vor Hell und alkoholfrei
Lieblingssorte der Deutschen ist und bleibt mit rund 50 Prozent das Pils. Platz zwei sichert sich seit Jahren Hellbier mit rund zwölf Prozent. Alkoholfreies folgt mit 9,5%. Doch nicht alle der rund 1.500 Brauereien schieben Frust. Die Zahlen sind schließlich nur der Durchschnitt. Ausreißer nach oben und unten sind üblich.
Kleines Plus bei Krombacher
Deutschlands beliebteste Biermarke, Krombacher, schloss das Jahr durchaus stabil ab. Die Dachmarke Krombacher wuchs um 0,5 Prozent auf 5.702 Mio. Hektoliter, während die alkoholfreie Range um Schweppes, Orangina und Dr Pepper mit minus 1,8% auf 1,605 Mio. hl leicht nachgab und dem Gesamtausstoß der Gruppe ein Minus von 0,2% bescherte. Krombacher Pils konnte dabei trotz eines Rückgangs um 0,8% seinen Marktanteil sogar weiter ausbauen. Den größten Zuwachs erreichte erneut das alkoholfreie Bier- und Biermix-Segment. In diesem Jahr sollen mit Krombacher o,0% Herb weitere Impulse gegeben werden. „Wir gehen unseren Weg der Entwicklung und Positionierung als umfassender Getränkeanbieter konsequent weiter“, betont Hendrik Kuhn, Vertriebsdirektor Handel national, „die Mischung aus Produktqualität, Markenstärke und der Leidenschaft unserer Mitarbeitenden bildet das Fundament für nachhaltigen Erfolg.“ Fortgeführt wurden 2025 die im Vorjahr eingeleiteten Modernisierungs- und Investitionsmaßnahmen der Brauerei zur Stärkung der Zukunftsfähigkeit. Dazu gehörten unter anderem: der Umbau und die Erneuerung zentraler Abfüllanlagen, technologische Modernisierungen, um der Komplexität der Sortenvielfalt gerecht zu werden, sowie Investitionen in Logistik- und Produktionskapazitäten in Krombach mit einem Volumen von über 100 Mio. Euro.
Veltins wächst weiter
Äußerst positiv stellt sich auch die Brauerei C. & A. Veltins dar. Seit Beginn des Jahrzehnts erhöhte sich der Bierausstoß um rund 25 Prozent, während der deutsche Biermarkt nahezu elf Prozent an Menge verlor. Auch aktuell darf wieder in Grevenstein gefeiert werden. 2025 verbesserte die Brauerei den Ausstoß um plus 0,3 Prozent auf 3.369.000 hl. Beim Umsatz legte die Familienbrauerei um 0,4% auf 461 Mio. Euro zu. Selbst Veltins Pils zeigte sich noch relativ stabil mit minus 1,8% und sprang dadurch auf Platz zwei in NRW mit einem Marktanteil von 14,1% (national 6,6%).
Was sind die Gründe für den Erfolg? „Gerade in einer schwierigen konjunkturellen Marktphase weiß der Verbraucher starke Marken als verlässliche Wegbegleiter zu schätzen“, sagte Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung der Brauerei, anlässlich der Jahrespressekonferenz, „unsere Investitionen in ein breites, verbraucherattraktives Sortiment tragen spürbare Früchte, denn die ergänzenden Marken können heute Mengeneinbußen im Stammgeschäft exzellent ausgleichen.“ Die alkoholfreien Produkte entwickelten sich mit Zuwächsen von 10,4% dynamisch. Stärkstes Wachstumszugpferd war erneut die Marke Pülleken mit Helles Pülleken und Naturradler Zitrönken, die um 13,6% zulegte. In diesem Jahr soll noch eine alkoholfreie Sorte folgen. Das 2024 eingeführte Veltins Helles Lager schaffte im ersten vollständigen Geschäftsjahr 49.000 hl, die Spezialitätenmarke Grevensteiner büßte um 13,5% auf 111.700 hl ein. Das Fassbiergeschäft erreichte 443.900 hl. „Damit sind wir angesichts der Rahmenbedingungen im Vertriebskanal von Gastronomie und Events weiter auf Kurs“, so Rainer Emig, Geschäftsführer Vertrieb der Brauerei. Die Biermixmarke V+ schrumpfte um 5,5% auf 269.500 hl. Rainer Emig kündigte im 25. Jahr der V+-Marktaktivitäten die neue Sorte V+ Saure Zungen Cherry an. Sie erscheint rechtzeitig zum Frühsommer. „Wir haben den Anspruch, mit V+ gerade bei den Verwendern der jungen Erwachsenen neue, einprägsame Geschmackserlebnisse zu schaffen – das gehört zur DNA von V+ dazu“, so Emig.
Im Gebindemix liegt der Flaschenanteil bei 79,2%, der Fassbieranteil bei 13,2 % und der Dosenanteil bei 7,6%. Rund 92% aller Gebinde wurden in Mehrweggebinden bereitgestellt. Die Brauerei setzt seit Jahren auf energetische Transformation. Nach dem Abschluss der 400-Millionen-Euro-Investitionsoffensive ging es 2025 mit ergänzenden Investitionen in Höhe von 51 Mio. Euro am Stammsitz Grevenstein weiter. Die Hinwendung zu regenerativen Energien wird allein an Aufbaukosten für eine Windradinfrastruktur rund 60 Mio. Euro erfordern. Flankierend werden Technologien erforderlich sein, die den dauerhaften Verzicht auf fossile Brennstoffe vorantreiben, um sich als Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.
Warsteiner besser als Gesamtmarkt
Auch die Haus Cramer Gruppe mit der Marke Warsteiner blickt nach vorne. „Wir investieren gezielt in Geschäftsbereiche und Segmente mit Zukunft und in denen wir echte Marktchancen sehen“, betont Geschäftsführer Raphael Rauer. Der Fokus liege dabei auf den Bereichen Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit sowie Nachhaltigkeit. Ab April starten am Standort Warstein die Bauarbeiten für eine eigene Windenergieanlage, die künftig rund die Hälfte des eigenen Stromverbrauchs decken soll.
Der Absatz sank 2025 um 1,9% und damit weniger als der Gesamtmarkt. Einige Kategorien wuchsen allerdings entgegen dem Markttrend. Warsteiner Alkoholfrei 0.0% legte um 32,7% zu, und in der neu eingeführten Naturradler-Range schaffte NaturRadler Zitrone ein Plus von fast 25%, die alkoholfreie Variante um 15%. Auch Oberbräu Hell meldet plus 23%. „Das vergangene Jahr hat eindrücklich gezeigt, dass unsere Branche an einem Wendepunkt angelangt ist“, so Raphael Rauer, „die gegenwärtige Marktdynamik erfordert grundlegende und unmittelbare Veränderungen im strategischen Denken wie auch im operativen Handeln – sie zwingt uns alle zur Neuausrichtung.“
Unter den „kleineren“ Brauereien sticht etwa die Westerwald-Brauerei aus Hachenburg hervor, die im Jahr rund 100.000 hl produzieren soll. Entgegen dem Trend meldet das Unternehmen ein Plus von vier Prozent und baut seine Position als regionale Qualitätsbrauerei damit aus. Sowohl Hachenburger Pils als auch Hell sollen sich positiv entwickelt haben. Besonders dynamisch zeigte sich aber alkoholfreies Bier mit einem zweistelligen Wachstum. „Insgesamt bleibt der Biermarkt sicher herausfordernd – besonders aber für Brauereien, die sich hauptsächlich damit beschäftigen, Bier noch preiswerter herzustellen und im Sonderangebot zu verkaufen. Wie viele andere erfolgreiche Mittelständler und Slow Brewer setzen wir in Hachenburg jedoch auf solide Qualität“, so Brauereichef Jens Geimer. Die inhabergeführte Brauerei will noch im März die größte Einzelinvestition ihrer Geschichte, die neue Flaschenfüllerei, offiziell einweihen.
Text: Klaus Niester
