„Musikpark A1“, Lübeck: It’s Teamtime!
Frischer Wind weht im hohen Norden unweit der Ostsee durchaus öfter im Jahr. Seit Knut Walsleben ins Nightlife-Geschäft zurückgekehrt ist und sein erfahrenes Team im „Musikpark A1“ um sich versammelt hat, gilt das aber ganz besonders für den Tanzpalast in Lübeck. disco-magazin war vor Ort.
Nach 20 Jahren kann wohl jedes Unternehmen neuen Schwung vertragen. Der „Musikpark A1“ als letzte Mehrfachdisco der Marzipanstadt mit dem markanten Holstentor war Teil der einst national erfolgreichen MPC Gruppe und zog seit 2005 das Tanzvolk in die erste Etage im Lohmühlencenter. Doch Sterne verblassen im Laufe der Zeit. MPC suchte einen Käufer und fand Knut Walsleben, der nach dem Verkauf seines Trittauer „Fun-Parc“ 2023 der Branche eigentlich den Rücken gekehrt hatte. Langeweile habe ihn nicht getrieben, erzählt der 50-Jährige und verweist auf einen 14-Stunden-Tag für all seine Unternehmungen. Es war die Herausforderung, die Lust an der Nachtgastronomie und nicht zuletzt das Wissen um ein tatkräftiges Team aus alten Zeiten, das er reaktivieren und für die neue Aufgabe gewinnen konnte. Selbst ist er meistens die ersten drei Stunden abends im Betrieb, um die Abläufe zu koordinieren.
Zentrale Position: Das DJ-Pult wurde in die Mitte des „Agostea“ versetzt, sodass der DJ von allen Seiten bestaunt werden kann.
Zum Team gehört Agata Szymoniak, die in Trittau 15 Jahre lang Betriebsleiterin war und nun als Geschäftsführerin der LÜ Disco Verwaltungs GmbH, die Gesellschafterin der HL Disco Betriebs GmbH & Co. KG ist, tätig ist. Auch Doron Beuger, jetzt Technischer Leiter, hatte bereits eineinhalb Jahrzehnte im „Fun-Parc“ gezeigt, was er kann. Lucas Hillmann hatte vor zehn Jahren unter Knut Walsleben die Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolviert und bildet nun im „A1“ mit Lukas Herrmann selbst einen Azubi aus. Ergänzt wird das Dreamteam von Steven Werner, der seit der Discoöffnung 2005 als Betriebsleiter in Lübeck jeden Winkel des Ladens in- und auswendig kennt.
Kredit- oder Debitkarte: Geschäftsführerin Agata Szymoniak und Betriebsleiter Steven Werner mit den „FunSystem“-Chipcards für „normale“ Gäste und Clubmitglieder
Eineinhalb Jahre lang hat Knut Walsleben seit der Übernahme im Januar 2025 den Tanzpalast renoviert und umgebaut und wieder in Spur gebracht. Eine Viertel Million Euro hat er dafür ausgegeben. Neue Soundsysteme von JBL versehen nun ihren Dienst, die Lichtanlage wurde erheblich ausgebaut. Dabei kommen auch viele Moving-Lights zum Einsatz, die direkt in China eingekauft wurden. Auch die Lüftungsanlage und die Farbgestaltung sind neu, ebenso Kühltresen, Möbel und eine Videoüberwachung. Auf Vordermann gebracht wurde auch die Grapos Postmixanlage. Die Ausschanksysteme an den acht Bars im „A1“ werden zentral von einem Kühllager aus versorgt. Last not leat zeigt sich auch der Backoffice-Bereich mit Büro und Mitarbeiterwohnung ansprechend und grundsaniert.
Das Techniktrio: Lucas Hillmann, Azubi Lukas Herrmann und Doron Beuger (v.l.)
Die entscheidenden Veränderungen liegen aber woanders. Das „A1“, das mit vier Areas Vielfalt für jeden Geschmack bietet, ist dem veränderten Ausgehverhalten angepasst worden. Große Flächen gibt es nicht mehr. Mit 200 Meter Molton wurden flexible Vorhänge in und zwischen den Bereichen montiert, die spontane Verkleinerungen und Erweiterungen über ein Schienensystem zulassen. Was etwa zunächst wie ein schmaler Flur erscheint, ist im nächsten Augenblick ein Teil des Black-Music-Clubs. „Back to the Basics“, sagt Walsleben, der mehrere Jahre lang Präsident im Discoverband BDT/DEHOGA war.
Zurück im Business: Knut Walsleben schwärmt von den unkomplizierten Garderobenschränken mit fast 1.000 Fächern.
In der größeren Main-Area „Agostea“ wurde die DJ-Kanzel in die Raummitte verlegt, Vorhänge sorgen für ansprechende Enge. Sieben LPS Laser unterschiedlicher Art inszenieren die Fläche, unterstützt von Robe und Clay Paky Moving-Lights, die von Pendants chinesischer Fertigung, die direkt aus dem Land der Mitte importiert wurden, ergänzt werden. Rundherum zeigen große Palmen, in welcher Jahreszeit sich der Gast befindet. Knut Walsleben setzt auf Abwechslung, auf neue Eindrücke. Im Winter wird die Tropendeko dann durch Tannenbäume ersetzt. „Wir erfinden uns immer wieder neu“, verrät der Routinier, „es geht darum, Erlebnisse zu schaffen.“ Ein großes Glücksrad im Foyer ist meist dicht umzingelt, und dann gibt es schon mal Drinks mit Zuckerwatte, die neugierig machen. Highlight ist neuerdings der 0,1-l-Happy End Cocktail, der in kleinen Glasfläschchen ausgeschenkt wird, die wie ein großer Penis ausschauen. Walsleben kauft sie in China. Wo der Trinkhalm eingesteckt wird, muss wohl nicht erwähnt werden – Männer dürften aber kurz zusammenzucken. „Wir bieten dem Gast Getränke, die er nicht zu Hause hat“, beschreibt er das Konzept.
Quer durch die Generationen: Die Tanzfl äche in der „Lübecker Party Alm“ füllt sich schnell.
Neben dem Black-Music-Club, der derzeit mit weißen Vorhängen im Ibiza-Style erstrahlt, gibt es die „Lübecker Party-Alm“, ein typisches Stadl, das aber mit Strand- und Meereselementen ergänzt wird und aufgeräumter und moderner wirkt. Wer Cocktails trinken möchte, wechselt in den „Karaoke Floor“ und lässt sich leckere Drinks aus der Tender One „Xpress“-Cocktailmaschine kredenzen. Im Stockwerk darüber befindet sich ein weiterer Raum, der für Events vermietet wird und den Blick auf die Haupttanzfläche gewährt. Vor allem Firmenveranstaltungen und Weihnachtsfeiern finden dort statt.
Selbst ist der Gast: Wer nicht am VIP-Tisch sitzt und trotzdem eine Flasche bestellen will, geht einfach zur Bottle-Bar.
Zehn VIP-Zonen stehen zur Vermietung. Dort werden Flaschen geordert. Gäste, die keinen Tisch gemietet haben und dennoch Flaschen bestellen wollen, werden an der neuen zentralen Bottle-Bar fündig, wo sie Spirituose und Filler ausgehändigt bekommen. Bei den Gästen kommt der neue Service gut an. Freitags ist Einlass ab 16 Jahren, wobei gerade mal zehn Prozent der Gäste noch nicht volljährig sind. Die Samstage gehören den Erwachsenen, die Altersspanne liegt hier bei 18 bis 40 Jahren. Alle sechs bis acht Wochen darf auch der neugierige Nachwuchs im „A1“ feiern. Dann wird samstags zum „Teens Club“ gelanden.
Form und Farbe: Bunte Liköre können aus dem prägnanten Penisglas geschlürft werden.
Mottopartys und bekannte DJs geben sich vor allem an den Samstagen die Klinke in die Hand. Im August standen bereits Gregor le Dahl, Oscar de la Fuente und This is Eileen x Raay auf der DJ-Kanzel, bis Monatsende folgen noch Topmodelz und Chris Krawall. Knut Walsleben setzt im „A1“ auf das „FunSystem“ von Cash-Card aus Landau. Das Chipkartensystem bietet unter anderem die üblichen Point-of-Sale-Funktionen, Tischbuchung sowie Auswertungsdaten pro Bar und Mitarbeiter und für Clubmitglieder über eine spezielle, am Infocounter aufladbare Debitcard, die auch mit nach Hause genommen werden kann, das eigenständige Ein- und Auschecken über ein Drehkreuz neben den normalen Kassen. Die Mitgliedschaft kostet einmalig 129 Euro – bei jedem Besuch gibt es dafür freien Eintritt und ein Getränk für fünf Euro. Zudem haben alle Gäste die Möglichkeit, durch einen verbilligten Vorverkauf schon vor dem Besuch ein paar Euro zu sparen. Fürs Ticketing, aber auch die Websitebetreuung zeichnet Guestastic aus Aurich verantwortlich.
Mehr Meer: Die typische Stadl-Deko wird mit Strand-Accessoires ergänzt.
Die Zeichen der Zeit hat Knut Walsleben erkannt und nutzt die neuesten technischen Entwicklungen. KI gehört für ihn zum Standard. Programmplanungen mit zielgruppengerechter Beurteilung laufen darüber, Flyer werden so kostengünstig layoutet. Eingespart hat er das sechsköpfige Reinigungsteam. Die Aufgaben übernimmt seitdem ein Putzroboter, der für 7.500 Euro in China erworben wurde und äußerst fleißig den Fußboden saugt und wischt. Übrig bleibt eine einzige Reinigungskraft, die die Restflächen und vor allem die Stufen säubert. Denn Treppensteigen kann der Roboter noch nicht.

Text: Klaus Niester

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