Für sein neues Konzept hat sich Julian Smith einen ungewöhnlichen Ort gesucht: In Frankfurt-Bornheim, das eher bekannt ist für Frankfurts längste Einkaufsstraße, die Berger Straße – ein Ort zum Flanieren tagsüber – und eher weniger für eine florierende Clubszene. Aber mit der „Tanzbar“ eröffnet der Frankfurter Tausendsassa den vielleicht ersten Club Bornheims.
Smith arbeitet vornehmlich als DJ und Clubbetreiber. Der 51-Jährige hat in den Nullerjahren im „Unity“ aufgelegt, einem Club, der längst der Geschichte angehört. In den 2010ern hat er gemeinsam mit seinem Bruder Dennis Ryan den Club „Travolta“ (siehe disco-magazin 10/2010) geführt. Darauf folgte der Betrieb des „Chinaski“, dessen Anteile Smith 2020 verkauft hatte. Jetzt macht der DJ mit der Eröffnung der „Tanzbar“ wieder von sich reden. Gemeinsam mit seinem Partner Serkan Ucar hat er den Pachtvertrag unterschrieben.
Der Standort ist recht ungewöhnlich: Für seinen neuen Club hat er das Bürgerhaus Bornheim ausgewählt. Wo tagsüber emsiges Treiben herrscht – Menschen begehen ihre Amtsgänge, ein Restaurant ist dem Komplex vorgelagert – geht nachts im Keller fortan am Wochenende die Party ab.
Zuvor standen die Räumlichkeiten im Keller des Bürgerhauses fünf Jahre lang leer, davor war hier die Pilsstube Pünktchen beheimatet. Ihre Kneipen-Historie merkt man der Location an: Angeschlossen an den Gastraum ist eine große Kegelbahn, aktuell verborgen durch einen Vorhang. Aufgrund von Brandschutzmaßnahmen, die hier wohl nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen, müsse die Kegelbahn erstmal geschlossen bleiben, sagt Smith. Er könne sich aber vorstellen, in Zukunft hier eine Leinwand für Filmvorführungen zu installieren. Smith hat sich nach der Übernahme der Räumlichkeiten für ein schwarz-rotes Farbkonzept entschieden, ansonsten hat er nicht viel verändert. Die eher kleine, schlauchförmige Location weist auf der rechten Seite einige Sitzecken auf. Geht man weiter, trifft man auf das Herzstück, die hölzerne Bar, schräg gegenüber steht das DJ-Pult.
„In der Tanzbar haben wir die einmalige Situation, dass wir aufgrund der Kellerlage lärmgeschützt sind und die Anlage getrost aufdrehen können – und das inmitten der Bornheimer Nachbarschaft“, freut sich Smith. Aufgelegt werde elektronische Tanzmusik, abseits des Mainstreams. „Grooviger House, nichts zu Hartes“, meint der DJ. Er schafft mit der Tanzbar einen Ort zum Feiern für Millennials (Jahrgänge 1981 bis 1996) und die Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1980). „Natürlich sind alle Generationen hier willkommen, besonders wohl dürften sich hier aber Leute ab 30 Jahren fühlen“, sagt Smith.
Ausgestattet ist der Club mit einer LD-Systems Sound-
anlage von der Adam Hall Group. Das DJ-Pult besteht aus einem All-In-One-System von Alpha Theta, ehemals Pioneer DJ. Ansonsten zeigt sich der Club relativ zurückgenommen, es gibt keine nennenswerte Lichtinstallation, der Fokus liegt hier auf der Musik. Im Getränkebereich kooperiert Smith mit Pernod
Ricard, Bacardi, Krombacher, Schweppes und der Frankfurter Brauunion mit ihren FXXXXFXXXXR Bieren. „Mir war wichtig, zumindest ein lokales Frankfurter Unternehmen zu unterstützen“, sagt Smith.
Der Name ist hier Programm – es kostet keinen Eintritt, in die „Tanzbar“ zu gehen: „Ein Club ist für mich ein idealistisch geführter Ort, an dem Gleichgesinnte zusammenkommen, die Kultur schaffen wollen. Der Profit ist zweitrangig. Eine Discothek ist für mich ein Ort, der mit klaren betriebswirtschaftlichen Interessen betrieben wird. Der Idealismus ist hier zweitrangig“, macht Smith den Unterschied klar.
Seine „Tanzbar“ will natürlich Club sein. Seit September ist sie an jedem Wochenende geöffnet. Zuvor befand sich die „Tanzbar“ sozusagen in ihrer Soft-Opening-Phase: Ende Mai hat Smith die Location übernommen, seit Juni ist die „Tanzbar“ an ausgewählten Wochenenden geöffnet, mit dem Herbst geht sie jetzt in die Vollen.
