Mit der wohl spektakulärsten Neueröffnung des Jahres hat das „Adiamo“ den plötzlichen Umzug ins benachbarte Porta Westfalica bravourös hinter sich gebracht. Nach unerwarteten Brandschutzmängeln und kompletter Schließungsverfügung am alten Standort hatte Betreiber Christian Grote schnell reagiert und sich mit Gerd Langwald, dem Inhaber des lange geschlossenen „PW1“ geeinigt. disco-magazin war am 13. Mai beim Softopening dabei.
Es ist eine Reise durch die Geschichte der Nacht, die Wiedergeburt von altem Glanz und Erfolg, als Christian Grote am 13. Mai um 19 Uhr die Türen zum Softopening im alten Bahnhofsgebäude von Porta Westfalica aufschloss. Draußen rauschen die Züge vorbei, einige halten auf ihrer Reise von Hannover, Minden oder Bielefeld.
Das Buch des ungewöhnlichen Discostandorts wird ein zweites Mal aufgeschlagen. Was war geschehen? Gerade erst am 10. Oktober letztes Jahres hatte der „Adiamo Dance Club“ glamourös sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Der 1.250 qm große Edelclub im Kaiserpalais von Bad Oeynhausen, direkt an das GOP-Varieté angrenzend, feierte sich und seine Gäste und blickte voller Optimismus in die Zukunft.
Dann kam der Eklat. Mitte März, am Freitag, den 13., entschied das Ordnungsamt der Stadt Bad Oeynhausen nach einer Brandschutzbegehung die sofortige Schließung des „Adiamo“. Nach dem Bar- und Disco-
brand in der Schweiz und in Kehl reagieren viele Behörden plötzlich kompromisslos, vielleicht sogar kopflos. Die Verfügung gilt allerdings nur für den Club, nicht für das Varieté und die Restaurants im gleichen denkmalgeschützten Gebäude. Christian Grote versteht die Welt nicht mehr. Notausgänge hätte er im Überfluss. Mehrere bodentiefe Fenster lassen sich problemlos öffnen. Gespräche mit der Stadt verlaufen im Sand, zwei Wochen lang bemüht sich Grote um Schadensbegrenzung. Dann wird klar: Die beanstandeten Areale werden vom Verpächter – einer Gesellschaft der Stadt, die die Räume konzessionsfähig zur Verfügung zu stellen hat – zurückgebaut und saniert. Von zwei Jahren Bauzeit ist die Rede. Das sieht nach keiner guten Lösung aus. Immerhin winkt Schadensersatz, aber das reicht Christian Grote keinesfalls.
Christian Grote ist dankbar für die vielen Glückwünsche, aber nicht absolut zufrieden. „In der Kürze der Zeit kann man nicht alles perfekt machen“, erklärt er, „im September geht die Saison wieder los, dann muss alles topfit sein.“ Das ist der Blick des Profis. Die Gäste am Eröffnungsabend haben das neue „Adiamo“ derweil schon fest ins Herz geschlossen. Sie feiern in der „Veltins Lounge“ mit auffahrbarem Dach direkt hinter den mit Hypersoft bestückten Kassen und bestem Blick auf die Gleise, steigen ein paar Stufen hoch zur Pizzeria von Ari, der seit 15 Jahren im „Adiamo“ tätig ist und an diesem Tag Geburtstag hat und gehen dann weiter in die Verteilerzone im Treppenhaus, wo es hinab in die einzigartigen „Katakomben“ führt. Direkt daneben sind schon die Partyhits aus der „Almhütte“ zu hören, wo die ersten Disco-Fox-Tänzer ihre Runden drehen. Im oberen Stockwerk füllt sich so langsam die nebeldurchzogene „Main Station“ mit Black Music, R’n’B und House, auf der anderen Seite des Gebäudes wird hinter der „Duke Bar“ und erstaunlich starken Cocktailtheke der „Duke Club“ mit breitem Musikprogramm erreicht. In seiner Mitte hängt der LED-Screen-Kronleuchter, der schon in Bad Oeynhausen zu den Highlights gezählt hat. Wer bei Duke an einen Herzog denkt, liegt übrigens falsch. Langwalds Frau Marion hatte damals den Bereich mit Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal „Down under kings eyes“ genannt.
Text: Klaus Niester