Die Institution: „Kaiser“, Unterpreppach

In der Gegend gibt es nicht mehr viele Orte, an denen gefeiert wird. Rund um Ebern mit dem Ortsteil Unterpreppach ist der „Kaiser“ der letzte. Seit rund 100 Jahren gibt es dort Gastronomie, 1966 begann Ernst Kaiser mit den ersten Veranstaltungen. Enkel Stefan saß mit Ehefrau Karin 30 Jahre am Ruder. Letztes Jahr verkaufte er an Thomas Fischer, einen der Top-Unternehmer der Region.

Der „Kaiser“ ist bekannt wie ein bunter Hund. Zwischen Bamberg, Coburg und Haßfurt hat der Betrieb schon viele Generationen bespaßt. Das Erfolgsgeheimnis? „Einfach ausgehen, unterhalten, tanzen“, sagt Stefan Kaiser, der 1996 vom Vater die Leitung übernommen hatte, „da ging die Oma schon hin, sonst würde es viele Gäste gar nicht geben.“

Die richtige Mischung: der neue Inhaber Thomas Fischer (l.) und Partnerin Susanne Wettstein (2.v.r.) mit den Urgesteinen Karin und Stefan Kaiser, die in der Übergangsphase mit Rat und Tat zur Seite stehen

Der „Kaiser“ ist Kult, der „Kaiser“ ist eine Institution und Legende, die seit 60 Jahren familiengeführt ist. Mitten im 550-Einwohner-Ort, eingezwängt zwischen Wohnhäusern. Niemand kündige an, er gehe abends in die Disco, weiß Stefan Kaiser. Es heißt: Wir gehen „zum Kaiser – oder nach Preppich“, sagt er stolz in tiefstem Fränkisch. Ein schon älterer Nachbar passiert bei Gassigehen mit seinem Hund das Gebäude, als Neuinhaber Thomas Fischer gerade aus Wagen steigt. Morgen sei wieder eine Partynacht, da freut er sich. Großen Stress mit Anwohnern gibt es nicht. Hundert Meter hinter dem Lokal neben einer Wiese parken die Gäste. Der Lärm wird so um den Ort herumgeführt.

Vor rund hundert Jahren begann die Geschichte mit einem Gasthof und Landwirtschaft, betrieben von Ernst Kaiser. 1966 übernahm der Sohn Georg die Geschäfte und sorgte mit den ersten Veranstaltungen für Aufsehen. Damals standen Bands auf der Bühne – „früher hat man Kapellen gesagt“, so Enkel Stefan, der die Zügel 1996 in die Hand nahm. Zu diesem Zeitpunkt waren die Räumlichkeiten mit einem Anbau bereits vergrößert und der Eingang an die Seite verlegt worden. Als die Kapellen immer teurer wurden, kamen Disco-Nächte hinzu, deren Anzahl stieg. Das Grundprinzip, der Mix aus Live und DJ, blieb aber bis weit in die 2000er-Jahre bestehen. Zwei Tage die Woche war geöffnet. Die eigene Tochter, erinnert sich Stefan Kaiser, habe damals ein Argument gegen Live-Musik gebracht: „Wenn es am schönsten ist, ist Pause.“

Klassischer Aufbau: An der zentralen Traverse über dem Floor hängen 14 Moving-Heads und zwei Power-Strobes.

Große Namen gaben sich in Unterpreppach die Klinke in die Hand. Die Münchner Freiheit gastierte zum Spottpreis, war sie doch gebucht worden, kurz bevor der erste Hit in die Charts ging. Auch Karat gab sich noch vor der Wende die Ehre. Für Stefan Kaiser die beste aller Livebands. Stars und Sternchen wie CC Catch, Paul Janke oder Mia Julia füllten ebenfalls die Räume. Beim Auftritt von HBZ 2022 gab es gar um 21.30 Uhr Einlassstopp.

Tatsächlich wird in Unterpreppach früh gefeiert. Zwischen 21 und 22 Uhr ging es bis Corona los, seitdem stehen bereits um 21 Uhr mindestens 50 meist junge Leute vor der Tür. Früher gab es noch die beliebten Discobusse, heute bringen die Eltern ihre Kids und holen sie gegen zwei Uhr wieder ab.

Die ebenfalls aus Franken stammende Disco-Legende Erich Schramm soll Stefan Kaiser schon vor 20, 30 Jahren bezüglich des Nachtlebens gesagt haben: „Die Wiesen sind gemäht.“ Lage, Angebotsmix und der persönliche Einsatz der Gastronomen sorgen aber auch heute noch für den Erfolg. Stefan Kaisers Maxime ist deutlich: Der Kopf muss immer vor Ort sein.“

Ob Party oder Konzert: Der „Kaiser“ zeigt sich stets gut gefüllt.

Eine Schönheitspreis gewinnt der „Kaiser“ bei Putzlicht nicht. Die in die Jahre gekommenen Räume wirken erst durch den geschickten Einsatz der vielen Scheinwerfer, die in der Main-Area primär auf der Bühne und im DJ-Rigg montiert sind. Das gesamte Equipment stammt aus der Vermietung von Veranstaltungstechnik Patrik Conrad aus Bundorf. Zu den Highlights gehören ein kleiner Laser von Laserworld, 14 Moving-Lights von ADJ, sechs „Phantom 130“ von Showtec sowie vier 1,5-kW-Strobes und vier ältere Moving-Heads von GLP Volkslicht. Verbaut sind auch 7 qm LED-Screens von LEDTEK sowie selbstgebaute LED-Panels vor der DJ-Kanzel aus Stripes mit vormontierten, gebrochenen Plexiglas-Elementen. Für den guten Sound sorgt DAS Audio, für die DJs stehen Pioneer Geräte bereit.

Insgesamt vier Areas stehen dem Gast zur Auswahl. Neben der Main-Area mit Bühne, DJ-Kanzel und zwei Theken gibt es die „U Bar“ mit 25 Meter Tresenlänge und entsprechend viel Personal, die „Lilli Bar“ für Cocktals und die „Hugo Bar“ mit einer mit LED-Modulen bestückten Theke. Lieblings-Spirituosen der Gäste sind Wodka Gorbatschow, Havana Club, Jägermeister und Asbach – „Ficken Fanta geht auch noch gut“, so Stefan Kaiser. Bei den Bieren liegen Bayreuther Hell und Salitos Ice vorne. Beliebtester Shot ist Ficken vor dem norddeutschen Sanddornlikör Andalö und Pfeffi. Hauptlieferanten sind die GFGH Sagasser aus Coburg und Gromar aus Schweinfurt.

Neuester Treffpunkt: Im Obergeschoss des Gebäudes lädt seit Kurzem die „Hugo Bar“ zum chilligen Verweilen ein.

Eigentlich wollten Stefan und Karin Kaiser, die Discothek und Restaurant betreiben, 2025 aufhören. „Ende April war der letzte Kaiser“, lacht Stefan, denn letztlich kam alles etwas anders. Mit Thomas Fischer und seiner Partnerin, der Ärztin Susanne Wettstein, war auch ein prominenter Käufer gefunden. Der bekannte international tätige Großunternehmer stieg damit erstmals in die Gastronomie ein. Thomas Fischer kannte den Laden aus Bundeswehrzeiten von früher, als er in Ebern stationiert war, seine Frau überzeugte ihn von der Übernahme. „Das ist doch Kulturgut, das darf man nicht sterben lassen“, meint Susanne Wettstein, „wenn so ein Kulturgut wegbricht, wo sollen die Kinder dann hin?“ Denn nach der schwächelnden Corona-Generation stehen die Jüngeren wieder aufs Nightlife.

Für Thomas Fischer hat der Kauf des „Kaiser“ noch einen weiteren Aspekt. Die drei Kinder sollen dort in angenehmem Umfeld in die Unternehmensführung eintauchen. Tochter Alicia Lausch steht daher bereits in der Betriebsleitung dem immer noch umtriebigen Stefan Kaiser als Objekt-Managerin zur Seite und kümmert sich gemeinsam mit der zweite Tochter um Social-Media. Für ein Vierteljahr war auch Peter Müller, bekannt als DJ Ratzi, als Betriebsleiter engagiert worden. Er zog sich aus privaten Gründen jedoch Ende 2025 zurück.

Stefan und Karin Kaiser erklärten sich bereit, für eine Übergangsphase mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ein Umbau steht trotz des neuen zahlungskräftigen Inhaber nicht ins Haus. Flair und Atmosphäre würden dadurch beschädigt. „Wir sind nicht der modernste Betrieb, wir sind authentischste“, nickt Stefan Kaiser.

Wenn nicht nur die Kirche im Dorf bleibt: Der Eingang wurde vor Jahren geschickt an die Seite verlegt, Parkplatz und Warteschlage bleiben somit außerhalb der Bebauung.

Ausgebaut werden soll der inhaltliche Mix im Angebot, um verschiedene Altersgruppen anzusprechen. Zweimal im Jahr gibt es Ü25-Partys, auch Mottopartys mit Themen wie Mallorca, Neon, Polar, Single, 90er oder 2000er stehen auf dem Programm. Als Highlights sind viermal im Jahr Bandauftritte geplant, wobei nicht die sonst typischen Cover-Bands gebucht werden sollen, sondern internationale Gruppen aus aller Welt, gepaart mit internationalen Namen. Dazu kommen die Disconächte. Bis zu zweimal im Monat soll es diese Partys für Jüngere geben. „Wir sind die letzte Bastion in der Region, scheitern ist keine Option“, sagt Thomas Fischer und weiß auch, was er an Stefan Kaiser hat: „Er ist die Legende.“

Selbst zum Gastronomen will Thomas Fischer nicht werden. Ideen hat er dennoch. Einen gesünderen Energy-Drink hat er gerade entwickeln lassen aus rein natürlichen Zutaten mit fruchtig-beerigem Geschmack. Abgefüllt wird das „Diamond Liquid“ in golden gesleevte Champagnerflaschen – das passt doch hervorragend zum Kaiser.

Text: Klaus Niester

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