Nebel und Haze: Grundlagen für die Praxis
Alle Verdampfermaschinen sehen äußerlich irgendwie gleich aus. Doch die eine sorgt für Nebel, die andere für Dunst. Mal wird wasserbasiertes Fluid verwendet, mal ölbasiertes. Wer sich nicht auskennt, greift vielleicht zum falschen. disco-magazin erklärt die Hintergründe.
Die Pionierzeiten des Nachtlebens liegen Jahrzehnte zurück. Damals war es cool und schick, ganze Tanzflächen in Nebelschwaden einzuhüllen – frei nach dem Motto „Im Dunkeln ist gut munkeln“. Heute ist der Durchblick gefragt, und doch bleibt Nebel als Medium unverzichtbar, um Licht- und Laserstrahlen sichtbar zu machen.

Was ist der Unterschied zwischen Nebel und Haze?

Während die Discogäste und Eventzuschauer stets nur von Nebel sprechen, weiß der Anwender im Nachtleben, dass es einen Unterschied zwischen Nebel und Dunst – englisch Haze – gibt. „Klassischer Nebel ist dichter, sichtbarer und tritt häufig in Schwaden oder Wolken auf“, erklärt Anja Metz von Steinigke Showtechnic. Nebel wird für Effekte und szenische Einsätze verwendet oder um Räume oder Flächen ganz oder teilweise auszufüllen. Ist er zu dicht, dient er nicht mehr als Medium für Lichtstrahlen, sondern „verschluckt“ Licht und Laser. Nebel ist somit für den Gast direkt sichtbar. Hazer dagegen „erzeugen einen sehr feinen, fast unsichtbaren Dunst, der sich gleichmäßig im Raum verteilt, um Lichtstrahlen gut sichtbar zu machen“, sagt Uta Raabe von Hazebase. Die von der Maschine ausgestoßenen Partikel sind kleiner als beim Nebel. „Für eine gute Lichtwirkung dieser Geräte ist also nicht möglichst viel Nebel entscheidend, sondern ein möglichst gleichmäßig verteilter, lang stehender Dunst“, bringt es Anja Metz auf den Punkt, und Malte Feierabend von Look Solutions ergänzt: „Technisch gesehen ist Haze auch nur langanhaltender Nebel, welcher konstant in sehr geringer Menge abgegeben und direkt breit verteilt wird durch einen Lüfter.“

Welchen Einfluss hat das Fluid?

Die Verdampfermaschinen arbeiten mit unterschiedlich hohen Temperaturen, bei denen das wasserbasierte Fluid verdampft wird. Passt das Fluid nicht zu Maschine, kann es passieren, dass die Flüssigkeit nicht komplett verdampft und dann aus der Maschine heraustropft oder verbrennt, was unter Umständen auch gesundheitsschädlich sein kann. Auch der angegebene Fluidverbrauch kann sich dabei ändern. „Deshalb sollte grundsätzlich immer das vom Hersteller empfohlene Fluid verwendet werden“, empfiehlt Daniel Imiola vom DJ Power-Vertrieb B&K Lumitec. Mario Tomazetich von MT-Electronic aus Österreich ist von seinem Fluid absolut überzeugt. „Unser Fluid besteht zu 80 Prozent aus destiliertem Wasser und 20 Prozent aus biologischen, lebensmittelechten Ingredienzien, die man auch in Lebensmitteln, in Cola und anderen Limos findet“, sagt er.

Wann bieten sich ölbasierte Fluide an?

„Der Haze von ölbasiertem Fluid ist sehr fein und verteilt sich sehr gleichmäßig, kann allerdings ölige Rückstände Ablagerungen verursachen“, erklärt Uta Raabe von Hazebase. Gerade bei professionellen Einsätzen auf großen Bühnen und bei Festivals kann die Ölbasis nützlich sein. „Spezialisierte Hazer arbeiten häufig mit entsprechenden Fluiden“, sagt Anja Metz von Steinigke und warnt zugleich, „es sollte ausschließlich das vom Hersteller vorgesehene oder freigegebene Fluid verwendet werden. Falsche Fluide können die Maschine beschädigen, die Wirkung verschlechtern oder sicherheitsrelevante Probleme verursachen.“ Zudem kann die Ölbasis böse Folgen haben. Malte Feierabend von Look Solutions meint: „Für Discotheken und Clubs würde ich diese Hazer nur sehr vorsichtig empfehlen – meistens ist es aus Betriebs-, Reinigungs- und Haftungsgründen eher unattraktiv, dazu kommen generell höheren Anschaffungs- und Betriebskosten.“

Problem sind „ölige Rückstände, die Ablagerungen verursachen können“, so Uta Raabe von Hazebase. Das betrifft Menschen, Oberflächen und die Technik. Mario Tomazetich von MT-Electornic spricht von „einem schmierigen Film auf Geräten und Objekten“. Ölhazer sieht er als gefährlich an: „Öl ist brennbar und auf Materialen wie Stoff, Holz, Molton ein Brandbeschleuniger.“ Stoff und Molton würden durch das Aufsaugen des Öls sogar ihre Brandschutzklasse verlieren. „Meiner Meinung nach“, so Tomazetich, „ist es nicht gesundheitsfördernd, Öltröpfchen einzuatmen und in die Lunge zu bekommen.“

„Gerade in Clubs und Discotheken kann Öl auch zu rutschigen Böden und einem erhöhtem Reinigungsaufwand führen“, ergänzt Daniel Imiola von B&K Lumitec, und Anja Metz von Steinigke rät: „Bei ölbasierten Systemen sollte besonders sorgfältig auf die korrekte Handhabung, Wartung und Platzierung der Geräte geachtet werden.“ Für Malte Feierabend von Look Solutions ist daher logisch: „Für Discotheken ist ein wasserbasiertes System mit langer Standzeit und geringen Rückständen deutlich attraktiver: weniger Reinigungsdiskussion, weniger Risiko für Technik und Tanzfläche.“

Was bietet sich alternativ fürs Nightlife an?

Wer mit Hazern arbeiten und auf Ölfluide verzichten möchte, sollte auf solche Geräte setzen, die wasserbasierte Fluide verdampfen. Steinigke etwa führt Maschinen von Eurolite im Programm, die als Fazer beziehungsweise Dunstnebelmaschinen bezeichnet werden. „Sie arbeiten mit wasserbasiertem Nebelfluid und erzeugen durch die Kombination aus Nebelerzeugung und Ventilator einen feinen, dunstähnlichen Effekt“, erklärt Anja Metz, „das ist vor allem für semiprofessionelle Anwendungen interessant, weil wasser- basiertes Nebelfluid vielen Anwendern vertrauter ist und sich unkomplizierter handhaben lässt.“ Hazebase etwa bietet für die Produkte „cube“ und „FAB2“ das vegane, wasserbasierte Fluid „base*V“ an, das einen sehr feinen Dunst erzeugt, der sich gleichmäßig verteilt und lange steht. Beide Geräte sind extrem sparsam im Fluid-Verbrauch, denn nach Schaffung einer „Haze Atmosphäre“ – so Uta Raabe – können sie bei ganz geringer Pumpenleistung betrieben werden, um die Atmosphäre zu halten.
Dichte, unregelmäßige Nebelschwaden: gut um sich zu verstecken, aber schlecht als Medium für die Lichtstrahlen

Kann die Maschine vertikal oder überkopf montiert werden?

Wer es hundertprozentig sicher haben will, sollte das eigentlich lassen – oder er muss sich eingehend informieren, ob das betreffende Produkt dies ausdrücklich zulässt und welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen. „Sollte es beispielsweise mal eine Fehlfunktion geben oder falsches Fluid verwendet werden, kann im ungünstigsten Fall unverdampftes Fluid austreten“, erläutert Malte Feierabend von Look, „besonders günstige Geräte sind bekannt dafür, schon im normalen Betrieb ab und an mal ein heißes Tröpchen zu spucken. Bei regelmäßiger Wartung, der Verwendung des Original-Fluids sowie hochwertigen Geräten ist die Gefahr heutzutage allerdings sehr gering.“ Gerade die Tröpfchen können zu einer echten Gefahr werden. Uta Raabe von Hazebase spricht bei den Maschinen von Betriebstemperaturen von ca. 295° bis 320°C, sodass Personen verletzt werden können. Daher sollte sich zwingend eine „Auffangwanne“ am Hängeset befinden, um Verletzungen auszuschließen. Manche Geräte bieten speziell für solche Montagen flexibel drehbare Tanks, „die eine sichere Fluidversorgung“ – so Daniel Imiola von B&K Lumitec – „auch bei veränderter Einbaulage ermöglichen.“ Wie bei allen Geräten und Objekten, die „geflogen“ werden sollen, muss immer auch die fachgerechte Befestigung mit geeigneten Halterungen und zusätzlichen Sicherungen durchgeführt werden.

Wo sollte eine Maschine niemals stehen?

Nebel- und Dunstmaschinen erzeugen Hitze, um das Fluid zu verdampfen. Daher muss immer die Belüftungssituation stimmen, sonst werden die Geräte heiß, können brennen oder fallen einfach aus. Die Maschinen dürfen somit nicht abgedeckt oder so eingebaut werden, dass Lüftungsöffnungen blockiert werden. „Auch sollte der Austrittsbereich nicht auf direkt Personen ausgerichtet sein, die sich in unmittelbarer Nähe befinden“, mahnt Anja Metz von Steinigke, „unabhängig von der Montageposition sollte außerdem vor dem Einsatz geprüft werden, ob optische Brandmeldeanlagen vorhanden sind. Nebel und Haze können solche Anlagen auslösen. Deshalb muss die Nutzung im Vorfeld mit dem Betreiber der Location abgestimmt und regelkonform organisiert werden.“

Text: Klaus Niester

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