Der Aufschrei in der Region war groß. Nach 75 Jahren kündigte die Discothek „Himmerich“ im gleichnamigen Heinsberger Stadtteil an, den Betrieb zu schließen. Sofort gab es im Internet eine Petition zur Rettung. Die letzten Partys bis zum 30. Mai waren randvoll und werden noch aus den Nähten platzen. Gefühlt jeder möchte noch einmal in „seinem“ rund 5.000 qm großen Tanztempel abfeiern, den manch einer auch noch als „Haus Waldesruh“ kennt. Der Altersdurchschnitt soll in diesen Tagen um etwa 40 Jahre liegen. Selbst schuld, wenn es endet, könnte man sagen. Wäre der Zustrom immer so groß gewesen, hätte wohl niemand vom Schluss geredet. So aber wird die Ära in wenigen Tagen vorüber sein. Chefin Marianne Limburg hat Tränen in den Augen, als sie im Facebook-Video das Ende verkündet. „Seit über 50 Jahren ist der Ort mein Zuhause, zugleich meine Arbeit“, gibt sie wehmütig auch disco-magazin zu verstehen, „gern blicke ich auf die vielen Bauabschnitte zurück. … Es wurde ständig gebaut, renoviert und dem Zeitgeist angepasst. In den 80ern bis 2000ern traf man sich am Wochenende in der Disco. Schon ab Donnerstag brummte der Laden. Es wurde getanzt, gefeiert, Freundschaften geschlossen und vielleicht sogar der Partner fürs Leben gefunden.“ Doch das Ausgehverhalten habe sich in den letzten Jahren stark verändert, sodass neue Wege gegangen werden müssen und man sich nun neu aufstelle. „Eine neue Generation wird das zu meiner Freude in Angriff nehmen“, so Limburg, „ich für meinen Teil werde meine Nachfolger unterstützen. An erster Stelle stehen nun meine drei Urenkel.“ Fakt ist aber auch: Vorbei sind nur die regelmäßigen klassischen Disconächte. Das „Himmerich“ bleibt als Eventlocation bestehen. Firmenfeiern, Hochzeiten und private Veranstaltungen soll es weiterhin geben, vielleicht vereinzelt auch mal eine Ü30-Party oder Ähnliches. Das relativiert den Schock der Gäste. Das genaue Konzept wird noch ausgearbeitet. Der beliebte „Sonntagstanz“ mit geöffnetem Restaurant bleibt bestehen. Das teilte die Discothek schon mal mit.